FAUST-REGEL 5: Du sollst ICR nutzen!

Oktober 11th, 2020 by Christian Faust - Posted in Deutsch

Als ICR (In Country Review) wird eine Überprüfung der Übersetzung durch einen Muttersprachler bezeichnet, der in der Region der Zielgruppe lebt (Prüflesen im Zielland). Meist handelt es sich um den Vertriebs- oder Marketingleiter der Auslandsniederlassung des Unternehmens, der eine perfekte Kenntnis des Produkts, der Leistungen und der Ansprache im Zielmarkt hat.

Das ICR-Feedback an den Übersetzer verbessert die Zusammenarbeit, steigert wesentlich die Qualität und verhindert aufwändige Nacharbeiten.

Ablauf

Ein gewöhnlicher Ablauf, ausgehend von einem deutschen Mutterunternehmen, sieht in der Regel so aus:

  • Die Marketingabteilung beauftragt die Übersetzungsagentur mit der Übersetzung eines Textes, der für ein Vertriebsland bestimmt ist.
  • Die Fachübersetzerin erledigt ihre Aufgabe, indem sie sich auf ihr Fachwissen, das im Internet verfügbare Material (Webseiten) und Ressourcen (Translations Memory, Glossar, Referenzmaterial des Kunden) stützt.
  • Die Revisorin überprüft die Übersetzung vor der Lieferung, wiederum gestützt auf das zur Verfügung stehende Informationsmaterial.
  • Die Marketingabteilung sendet die Übersetzung an die zuständige Person in der Auslandsniederlassung zur Prüfung.

Feedback

An diesem Punkt nun gibt es erfahrungsgemäß meist folgendes Feedback:

  1. gar keins
  2. „Klingt wie eine Übersetzung!“
  3. „Voller Fehler. Unbrauchbar.“
  4. „Perfekt, danke!“

Analyse

Die fehlende Rückmeldung unter 1. erscheint im ersten Moment erträglicher, als die Aussagen unter 2. und 3. Niemand mag negatives Feedback. Doch da jede Möglichkeit einer Einschätzung der erbrachten Leistung auf Übersetzerseite entfällt, müssen Vermutungen angestellt werden. „Wird alles ok gewesen sein.“ Hoffen wir mal…

Gerne hören Übersetzerinnen natürlich ein Lob, noch lieber eine würdigende Bestätigung ihrer Arbeit mit Verbesserungshinweisen, zum Beispiel bei unternehmensinternen Bezeichnungen oder Präferenzen, die sie anfänglich nicht kennen können. Normalerweise hören wir Aussagen wie unter 4. von Kunden, die ICR nutzen. So weit, so gut.

Unbrauchbare, fehlerhafte Übersetzung

Die Punkte 2. und 3., über die wir nun sprechen werden, sind dagegen die Stolpersteine, die auf dem Weg hin zu 4. liegen. Man kann sie liegen lassen, wo sie liegen, und immer wieder über sie stolpern, oder man kann sie ein für allemal beseitigen und hat zukünftig ein gutes Leben.

Trotz langjähriger Internationalisierung erliegen viele Unternehmen regelmäßig einer Fehleinschätzung, wie unterschiedlich sich Kulturen und Empfindlichkeiten gestalten und welche Auswirkung dies auf die Kommunikation im Zielmarkt hat.

Übersetzungen bewährter Fachübersetzer sind selten unbrauchbar oder fehlerhaft. Sie entsprechen dagegen oft genau dem Ausgangstext, den das deutsche Unternehmen vorgelegt hat. Nicht berücksichtigt (weil nicht erwünscht) werden Anpassungen an die Kultur, Gepflogenheiten, Präferenzen der Zielgruppen im Zielland. Des öfteren hört man Aussagen wie: „Nein, das entscheiden wir hier zentral in Deutschland.“

Damit wird die Auslandsniederlassung in den seltensten Fällen zufrieden sein, weil sie:

  • eine spezifische Terminologie
  • eine bestimmte Kundenansprache
  • spezielles Marketing- und Kommunikationsmaterial

verwendet und (hoffentlich) pflegt. Kenntnisse, die sich der Übersetzerin entziehen, solange keine Zusammenarbeit stattfindet.

Was für ein Aufwand!

Nun kennen wir alle noch das Spiel „Stille Post“ und die Auswirkungen einer Kommunikation, die über viele Stellen verläuft: nämlich dass die ursprüngliche Aussage unverständlich wird. Jedes Feedback der Auslandsniederlassung läuft über mehrere Stellen. Rückfragen gehen den gleichen Weg hin und zurück. Und weil der Aufwand groß ist: eben auch nicht. Die Kommunikation versackt…

Hinzu kommt, dass der Korrekturaufwand für die zuständige Person im Zielland, die mit der Prüfung und Überarbeitung beauftragt ist, als übermäßig empfunden wird, denn diese ungeliebte Arbeit muss zusätzlich zum üblichen Arbeitspensum ausgeführt werden. („Ich muss noch diese miesen Übersetzungen korrigieren!“). Was die Sache schließlich ganz schwierig macht, ist, dass die Prüfleser oft kein Deutsch sprechen, also nicht verstehen, was im deutschen Ausgangstext steht.

Das führt zu Kritzeleien oder Anmerkungen in PDF-Dateien, die dann an die deutsche Marketingabteilung zurückgeschickt werden, die ihrerseits nichts versteht, aber über die vielen Korrekturen erschreckt. Das Verrückte an diesem Punkt ist, dass wir immer noch keinen Schritt weiter sind!

Kurzer Prozess!

Wir können dennoch festhalten, dass der Prüfleser (z.B. Marketingleiter) in der Auslandsniederlassung als Fachmann für seinen Markt gilt. Dessen Know-how ist für eine erfolgreiche Umsetzung des Übersetzungsprojekts genau so wesentlich wie das der Übersetzerin.

Nur ist der Prozess murks, weil die beiden nicht auf einfache Weise zusammenkommen.
Wie kann man sich eine optimale Lösung vorstellen?

  • Die Übersetzerin und die Revisorin arbeiten wie bisher.
  • Die Fachterminologie wird im kundenspezifischen Glossar gespeichert.
  • Der Prüfleser wird in die Übersetzungsumgebung integriert und kann die Übersetzungen einfach in seinem Browser prüfen, bestätigen, kommentieren, Fragen stellen und beantworten.

Vorteile:

  • Unmittelbare Einbeziehung des Zielmarkts durch ICR
  • Kein E-Mail-Verkehr
  • Der Prüfleser kann jederzeit und überall arbeiten
  • Fragen werden direkt und endgültig zwischen den kompetenten Personen geklärt
  • Verständnisschwierigkeiten werden auf beiden Seiten beseitigt
  • Die Übersetzung ist bei Lieferung perfekt!
  • Fehler / Abweichungen treten nicht nochmal auf!

Kein Nacharbeiten, keine Fehler – keine zusätzlichen Kosten

Zum Glück ist dieser Prozess heute bereits Realität. Keine E-Mails, keine unzähligen PDFs, keine „Stille Post“ oder andere Spielchen mehr: Vergangenheit ade!

ICR geht jetzt schnell und einfach und führt ohne Aufwand zu einer bisher kaum gekannten Qualität bei Übersetzungen für internationale und globale Märkte.

🔴  Das Prüflesen im Zielland, das früher schwierig und aufwändig war, ist heute in Echtzeit in den Übersetzungsprozess integriert. Also: ohne Zusatzkosten und Aufwand zum Ziel!

Die Faust-Regel 5 „Du sollst ICR nutzen“ muss als Aufforderung verstanden werden, die technologischen Möglichkeiten zu nutzen, um den Übersetzungsprozess für den beabsichtigten Zweck zu optimieren und Nacharbeiten auszuschließen.

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