LocWorld37 Warschau: Die Zusammenfassung

LocWorld ist die führende Konferenz für Unternehmen in der Übersetzungsindustrie

Die LocWorld ist ohne Zweifel die maßgebliche Veranstaltung der Lokalisierungsbranche. Das beweisen eindeutig:

  • die hohe Anzahl der Teilnehmer aus aller Welt (>400)
  • die Qualität der anwesenden Teilnehmer (in der Mehrzahl CEOs, CTOs und Senior Localization Manager)
  • die hochkarätigen Redner (Renato Beninatto, Anne-Marie Colliander Lind, Gary Lefman, Andrew Lawless, Jaap van der Meer …)
  • die Wirtschaftskraft der auf der Konferenz anwesenden, global tätigen Unternehmen (z.B. Salesforce, Facebook, Google, Ikea, Adidas, Swisscom, YOOX …), die sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, alles über aktuelle Trends und Entwicklungsmöglichkeiten zu erfahren und sich mit den weltweit besten Sprachendienstleistern auszutauschen.

Wie läuft die LocWorld ab?

Wer noch keine LocWorld-Konferenz besucht hat: Geboten werden an drei Tagen bis zu sieben Vorträge zu fachspezifischen Themen gleichzeitig, verteilt auf drei Zeitschienen am Vormittag und zwei am Nachmittag.  Daneben gibt es Zwischen- und Mittagspausen sowie Abendveranstaltungen, die sehr gut für das Networking genutzt werden können. Eine Messe, auf der maßgebliche Technologieanbieter und Sprachendienstleister ihr Dienste erläutern, rundet das Informationsangebot ab.

Was waren die Themen?

Die Hauptthemen waren auch in diesem Jahr weiterhin:

  • Beschleunigte Digitalisierung
  • Fallstricke der Lokalisierung
  • Maschinenübersetzung
  • Richtiges Content-Management

Das heißt, im Grunde muss sich die Übersetzungsindustrie im Zuge der Digitalisierung mit ähnlichen Problemen beschäftigen wie Unternehmen anderer Branchen.

Die Digitalisierung bietet wunderbare Möglichkeiten und Vorteile, von denen wir vor Jahren nur geträumt haben, stellt gleichzeitig jedoch vor extrem hohe Herausforderungen. Viele Unternehmen scheinen noch nicht begriffen zu haben, wie hoch diese Herausforderungen tatsächlich sind und dass Zeit ein wesentlicher Faktor ist.

Ist die Bahn schon weg?

Die Vielzahl der Zielländer mit ihren unterschiedlichen Kulturen (d.h. Kaufverhalten, Vorlieben, Ansprache, Tabus …) verlangt, dass die fremdsprachige Kommunikation entsprechend flexibel und aufmerksam aufgebaut, kontrolliert und überprüft wird.

Die Ansprache des Kunden in seiner Muttersprache ist heutzutage Pflicht. Englisch funktioniert allenfalls als Notnagel (außer selbstverständlich in englischsprachigen Ländern).

Maschinenübersetzung gewinnt durch neuronale Übersetzungsmaschinen ein völlig neues Gewicht und wird die Übersetzungsindustrie in den kommenden Jahren umwälzen. Auch hier sind viele Unternehmen, aber auch viele Übersetzer nicht auf dem Stand der Zeit. Wer über „Google-Übersetzungen“ lacht, darf das gerne tun, obwohl selbst diese Technologie vor zehn Jahren in dieser Qualität unvorstellbar war.

Wer noch lacht, sollte sich allerdings zeigen lassen, was professionelle Übersetzungsmaschinen heute zu leisten in der Lage sind.

Da lacht niemand mehr! 

Content-Management ist ein ganz wichtiges Thema, denn der Content wird ständig umfangreicher. Auch hier sind viele Unternehmen noch lange nicht auf dem Stand der Zeit, weder organisatorisch noch technologisch. Und, wie oben bereits gesagt, die Zeit bleibt nicht stehen und ist ein wesentlicher Faktor angesichts kräftig wachsender Volumina.

So sind die Herausforderungen eindeutig. Selbstverständlich können große Unternehmen andere Hebel ansetzen als kleine und mittelständische Unternehmen. Doch genau hier spielt die technologische Entwicklung uns in die Hände: Lösungen, die vor Jahren unerschwinglich oder technisch nicht machbar waren, stehen heute breit zur Verfügung.

Die passende Lösung für den konkreten Fall

Worauf wir uns im Übersetzungsmanagement stützen müssen:

  • zuverlässige Übersetzer
  • zuverlässige Übersetzungsbüros
  • zuverlässige Technologieunternehmen

die partnerschaftlich und flexibel exakt die passende Lösung für die Kundenanforderung bieten.

Ein kritischer Blick auf die Zukunft von gestern

Allerdings warf die diesjährige Konferenz  einige Fragen hinsichtlich der Innovationsfähigkeit und der Bereitschaft zur Veränderung auch in der Übersetzungsindustrie auf.

Was wir vor gut zwei Jahren sahen, kam uns im letzten Jahr in ähnlicher Gestalt unter die Augen und so auch in diesem Jahr. Der technologische Fortschritt ist die eine Seite. Die andere, viel wesentlichere Seite, sind die Unternehmen, die diesen technologischen Fortschritt umzusetzen bereit sind und tatsächlich umsetzen.

Darüber hat sich nach der Konferenz, neben verschiedenen anderen kritischen Stimmen, zum Beispiel auch Sarah Pokorna von RetroDigital!, einer innovativen Marketingagentur in Dublin, in ihrem Blogartikel „Is innovation about to wipe out the Dinosaurs“ (Wird Innovation die Dinosaurier auslöschen?) ihre Gedanken gemacht.

Mein persönlicher Eindruck geht in eine ähnliche Richtung: Die vor noch wenigen Jahren breite Aufbruchstimmung und Innovationsfreude ist bei vielen Unternehmen irgendwo steckengeblieben. Ich mutmaße, sie ist in der Unternehmenskommunikation zwischen den Mitarbeitern der Fachbereiche und den Entscheidern im gehobenen Management versickert.

Und genau das ist der Punkt, an dem Dinosauriern die Luft ausgeht. Genau der gleiche Punkt, an dem Start-ups durchstarten können (und tatsächlich durchstarten, wie uns viele aktuelle Beispiele beweisen). Risikokapital heißt so, weil man auf Risiko setzt. Aber nicht, um Geld zu verbrennen, sondern weil der mögliche Erfolg riesig, vielleicht disruptiv sein kann.

Tragisch, aber wahr

Natürlich scheitern auch Start-ups. Jedoch nicht alle. Wer erst gar nicht den Schritt in die Zukunft unternimmt, scheitert zu 100%. Dabei sind einige Start-ups extrem erfolgreich. Wir alle kennen diese Erfolgsgeschichten. Und die Geschichten der Unternehmensdinosaurier.

Nachdenklich stimmen schließlich auch das seit Jahren unveränderte Format und die häufig wiederkehrenden Inhalte der LocWorld-Konferenz insgesamt. Nach Ansicht der Konferenzteilnehmer, zumindest derjenigen, die ich gesprochen habe, muss auch hier Innovation gelebt werden. Es genügt nicht, die Konferenz unter den Titel „It’s all about Digitization“ zu stellen. Das weiß mittlerweile jedes Kind. Was fehlt ist der nächste Schritt, die Umsetzung.

Wir - das heißt: unsere Kunden - brauchen konkrete Lösungen.

Über Lösungen habe ich auf dem Smartcat Partner Day in Warschau im Anschluss an die LocWorld in einem Vortrag gesprochen. Einige Ansätze erläutere ich in meinem betreffenden Blogartikel.

Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben!

Herzlichst
Ihr Christian Faust

LocWorld37 Warschau: Die Zusammenfassung
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