Richtiges Übersetzungsmanagement von Anfang an

ÜBERSETZUNGSPROJEKTE ERFOLGREICH VORBEREITEN

 Vor längerer Zeit bekam ich eine Reklamation. Ein Kunde rief mich an und erklärte:

Herr Faust, Sie haben doch für uns diese Übersetzung gemacht. Also, vorweg gebe ich ja zu, dass unser Text nicht gut geschrieben war. Da waren ein paar Fehler drin, und über einige Begriffe sind wir uns intern nicht einig. Aber die Übersetzung, die Sie uns geliefert haben, die ist nicht korrekt.“

Mein Einwand lag auf der Hand. Doch bei späterem Nachdenken wurde mir klar, dass ich mir den Schuh anziehen musste. Als Sprachendienstleister ist es meine Aufgabe, meine Kunden so zu unterstützen, dass aus dem Übersetzungsprozess ein Produkt resultiert, das die Erfordernisse des Kunden erfüllt. Das Abschieben der Verantwortung löst nicht das Problem. Denn natürlich verfügen die Ansprechpartner in den Unternehmen, die sich um Marketing, Produktentwicklung, Vertrieb usw. kümmern, nicht über das linguistische Know-how und die Sensibilität, die für das Übersetzungsmanagement gefordert sind. 

Vorarbeit

Ein wesentlicher Schritt besteht in der Prüfung der Voraussetzungen des Übersetzungsprojekts, denn diese bestimmen Ergebnis. Frei nach dem Motto:
Murks rein, Murks raus.

Also sichern wir mit einem standardisierten Workflow bereits vor dem Beginn der eigentlichen Übersetzung die Qualität des Ergebnisses:

  • Prüfung des Ausgangstextes (Qualität, Vollständigkeit, Verständlichkeit, ...)
  • Prüfung des Referenzmaterials
  • Abgleich der Baseline-Checkliste
  • Vereinbarung eines kompetenten Ansprechpartners beim Kunden
  • Übernahme, Extraktion, Vorübersetzung der Terminologie
  • Festlegung des Query-Managements
  • Vereinbarung der ICR-Schleife
  • Erstellung eines Style-Guides

Nicht sämtliche o.g. Punkte finden bei jedem Projekt Anwendung, doch stellt eine Checkliste sicher, dass nichts vergessen wird, das bei einem bestimmten Projekt doch als relevant erweisen könnte.

Projektmanagement

Haben die Projektmanager diese Voraussetzungen geklärt, treten während eines Übersetzungsprojekts in der Regel keine Schwierigkeiten auf, die das Ergebnis nachhaltig beeinflussen.

Selbstverständlich begleiten die Projektmanager jedes Projekt während der gesamten Durchführung und stehen mit Übersetzern und gegebenenfalls den Ansprechpartnern beim Kunden in Kontakt.

Bei Projektabschluss werden sämtliche Ergebnisse und Erfahrungen des Übersetzungsprozesses erfasst und aktualisiert: Baseline, Memorys, Terminologie, Referenzen, Querys. Eventuell aufgetretene Fragen und Schwierigkeiten werden mit den ergriffenen Lösungsmaßnahmen ebenso wie Best Practices, die das Projekt gezeigt hat, festgehalten und mit allen Beteiligten (Projektmanager, Übersetzer, Terminologe, Lektor, Korrektor, ICR) geteilt.

Diese Vorgehensweise führt zu einer fortwährenden Optimierung und bedeutet für den Auftraggeber auf mittlere Sicht: kürzere Lieferzeiten, niedrigere Kosten, höhere Qualität.

Vielen Dank!

Meinem oben genannten Kunden bin ich übrigens bis heute dankbar. Niemand liebt Reklamationen. Doch gerade sie können den Anstoß zu entscheidenden Veränderungen geben.

 Bleiben Sie mir gewogen!

Demütigst, Ihr Christian Faust

PS. Branchenspezifische Begriffe, die ich oben verwendet habe, erläutere ich in einem anderen Artikel auf unserem Blog.

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