Evolution ist zu langsam, wenn Organisationen überleben wollen

Wer Transformation will, muss Transformation vorleben

Eigentlich war ich zum A-COMMERCE DAY 2017 nach Wien gekommen, um mich über Neuentwicklungen im E-Commerce zu informieren und nach potentiellen Partnern und Kunden Ausschau zu halten. Da ich wusste, dass der Veranstalter und Kopf hinter der Veranstaltung, Stephan Grad, visionäre Vorstellungen pflegt, freute ich mich auf Innovationsansätze und Ausblicke. So weit, so gut.

Völlig unvorbereitet

begegnete ich dann Doc Cyborg, der dem Event eine völlig andere, weil überhöhte Perspektive gab. Dazu unten mehr.  Hier zunächst eine vollkommen subjektive Auswahl von Menschen und/oder Produkten, die mich begeistert haben: 

SLOPELIFT

ist eine SEA & SEO Manufaktur und steht für Performance Marketing. Nichts Besonderes?

„Wir glauben daran, dass man nur durch perfekte Zusammenarbeit optimale Ergebnisse erzielen kann. Wir messen unseren Erfolg am Erfolg unserer Kunden.“

Weil ich das zu 100% unterschreiben kann, stehen die sympathischen Leute von SLOPELIFT mit Ihrer Losung am Anfang meiner Liste. Viel Erfolg bei der Umsetzung!

VerVieVas

erstellt gezeichnete Erklärvideos für komplexe Dienstleistungen oder abstrakte Produkte. Vertonte Videoinhalte werden eher konsumiert als reine Text- oder Bildinhalte und dazu noch sehr viel besser erinnert. Ausschlaggebend für den Erfolg ist hier das ausgefeilte Storyboard. An erster Stelle steht die Frage:

„Was willst Du mit dem Video erreichen?“

und die konsequente Umsetzung. Damit wird der Erfolg des Produkts fassbar und messbar.

Theventury

bringt auf unkomplizierte Weise einen ChatBot auf die eigene Seite, der auf sympathische Weise viele Routineanfragen der Shop- oder Webseitenbesucher beantwortet.

"Hallo, schön, dass Sie hier sind. Haben Sie eine Frage?"

Der menschliche Support kann sich auf spezifische Fragen und Probleme konzentrieren. Der Bot von Theventury kann beliebig strukturiert und erweitert werden. Die menschlichen Kollegen werden an definierten Stellen eingebunden, z.B. wenn der Bot nicht mehr weiterweiß. Dank künstlicher Intelligenz erweist sich das System als überraschend flexibel.

USERBRAIN

bringt einen sehr interessanten Ansatz zur Beurteilung der Usability von Shops und Seiten. Oft ist nicht klar, an welchen Stellen es hakt und warum die Besucher abspringen. Also nimm ein paar Test-User und lasse sie auf Deine Seiten los.

„User-Testing bedeutet Menschen zu beobachten, ihnen zuzuhören und herauszufinden, wie sie mit einem bestimmten Produkt interagieren.“

Per Audio und Video wird offenkundig, wo die Seite oder der Shop Probleme bereitet. Stefan Rössler, Co-Founder von USERBRAIN, hierzu: 

„Was Du da mitbekommst, ist manchmal echt der Hammer, und Du fragst Dich, warum checkt der das nicht? Warum klickt der nicht auf den Button?“

USERBRAIN kann also Abhilfe schaffen für die Betriebsblindheit von Web- und Shop-Designern. Zusätzlich baut das Tool Testgewohnheiten auf und verhindert so, dass eine anfänglich hohe Motivation den Gang aller guten Silvestervorsätze geht. Vergleichsweise preiswert mit hohem erzieherischem Wert.

Alle die o.g. Lösungen lassen sich übrigens problemlos für alle möglichen Sprachen und Auslandsmärkte adaptieren und sind damit nicht auf einen bestimmten Markt beschränkt.

DIE ERSTE KEYNOTE, DIE UNTER DIE HAUT GEHT

Nun aber zum absoluten Highlight des Tages: Dr. Patrick Kramer von Digiwell mit der ersten KeyNote, die (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Haut geht.

Wie schlägt man einen Bogen vom Höhlenmenschen zum Cyborg im 21. Jahrhundert? Und das in nur 45 Minuten? Nun ja, man geht in Media Res und fackelt nicht lange herum. (Unter uns: Ich hatte mit Dr. Kramer bereits am Nachmittag eine halbe Stunde geplaudert und daher eine Vorahnung, was auf mich zukommen würde.)

Den übrigen Zuhörern war an aufgerissenen Augen und offenen Mündern abzulesen, dass sowohl Tempo als auch Vision der Präsentation die Grenzen der Vorstellungskraft strapazierten.

In einem Rundumschlag verdeutlichte Dr. Kramer eindrücklich, warum wir immer noch wie Höhlenmenschen funktionieren und mit der Digitalisierung nicht zurechtkommen. Technologische Entwicklung verläuft nicht linear wie die Evolution, sondern exponentiell, d.h. schnell und schneller und noch schneller.

„Das iPhone XX werden wir nicht mehr in Händen halten“

war eine der Aussagen von Dr. Kramer, die aufhorchen ließ. Es ist müßig aufzählen zu wollen, wo Technologie die Grenzen der menschlichen Physiologie bereits gesprengt hat.

Die Frage ist: Wollen wir warten, bis die Evolution uns Antennen wachsen lässt (locker 200.000 Jahre oder so) oder sind wir bereit, die heute verfügbare Technologie HIER UND JETZT zu nutzen?

Der Cyborg ist Realität

Man mag es (wie einige Zuhörer) nicht wahrhaben wollen, aber der Cyborg ist Realität. Digiwell (die Firma von Dr. Kramer) bietet (unter anderem) NFC-Implantate zum Bodyhacking an, die eine Vielzahl von Funktionen bieten wie:

  • Hausschlüssel
  • digitale Visitenkarte
  • Mitarbeiterausweis
  • Entsperren des Autos
  • Passwortersatz
  • medizinischer Notfallpass
  • Smart-Home-Funktionen
  • Messung der Körpertemperatur

Das Implantat weist dabei die Größe eines Reiskorns auf und wird in 2 Sekunden schmerzlos zwischen Daumen und Zeigefinger unter die Haut gesetzt. Gesteuert wird das Implantat über eine geeignete NFC-App auf dem Smartphone (das wir, leider ja, zumindest noch einige Jahre mit uns herumschleppen müssen).

Zum Abschluss des Vortrags konnten die Anwesenden Zeuge werden, wie Dr. Kramer auf der Bühne bei Stephan Grad, dem Veranstalter des A-COMMERCE DAYS, ein solches Implantat einsetzte.

Damit geht Stephan Grad seinen Weg als Visionär konsequent weiter, nicht per Proklamation, wie viele Leute, die nur reden und reden, sondern durch gelebte digitale Transformation. Ich gratuliere zum „Chief Cyborg Officer“ bei A-COMMERCE!

Erkenntnisse

Welche Erkenntnisse habe ich vom A-COMMERDE DAY mitgenommen?

  • Das Problem liegt oft nicht dort, wo wir es vermuten.
  • Die Lösung erst recht nicht.
  • Partnerschaftliche Zusammenarbeit erhöht die Effizienz wesentlich.
  • Das Entwicklungstempo junger Unternehmen ist atemberaubend.
  • 90% der traditionellen Unternehmen, wie wir sie heute kennen, werden in (spätestens) 10 Jahren verschwunden sein.
  • Das rasante Tempo der technologischen Entwicklung wird sich weiter exponentiell beschleunigen. Kein Grund zum Heulen und Zähneklappern. Im Gegenteil, hier liegen ungeheure Chancen: Für Ihr Unternehmen und für Sie persönlich!
  • Wer Transformation will, muss Transformation vorleben!
  • Österreicher sind sympathische Menschen.

Bleiben Sie mir gewogen,
herzlichst Ihr

Christian Faust

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